Annotation abbrechen
Zeitabschnitt anpassen
+ Start festlegen + Ende festlegen

Nachbericht zum Online-Dialog mit Oliver Janoschka und Markus Eham

Die mit der Corona-Pandemie einhergehende Welle der Digitalisierung hat das gesellschaftliche Zusammenleben ebenso wie den Hochschulalltag im Jahr 2020 so stark verändert, dass man von einem „digital turn“ sprechen kann. Doch welche Konsequenzen hat dies für die Hochschulbildung und das Lernen an Hochschulen? Inwiefern fordert die Pandemie-Situation verantwortungsbewusste Hochschulen heraus, neue Bildungsziele zu formulieren, um jungen Menschen auf die Welt von morgen vorzubereiten? Und wie lassen sich Wissen, Fähigkeiten und Haltungen für das kompetente Mitgestalten einer lebenswerten Zukunft und einer nachhaltigen Entwicklung in einer (post-)digitalen Welt erlernen? Während die Digitalisierung mehr als 20 Jahre lang als Synonym für Innovation in der Lehre galt, wurde die digitale Lehre nun zum neuen Alltag an Hochschulen. Dies wirft die Frage auf, was eine innovative Lehre an Hochschulen jenseits der Digitalisierung auszeichnet und welche Bedeutung hierbei neuen Ansätzen zukommt, die gesellschaftliche Verantwortung und Engagement für das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellen.
Entwicklung der digitalen Lehre in der deutschen Hochschullandschaft während der Corona-Krise
Zu Beginn des Gesprächs blicken wir auf das Jahr 2020 zurück und gehen der Frage nach, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf de Lehre an deutschen Hochschulen hatte. Oliver Janoschka stellt dar, vor welchen Herausforderungen sowohl Studierende als auch Lehrende angesichts des „Shutdowns der Präsenzlehre“ standen. Obwohl nicht alle Hochschulen in Deutschland auf diese Situation vorbereitet waren, lässt sich insgesamt eine positive Bilanz ziehen, die den Hochschulen eine Resilienz in Krisensituationen attestiert (vgl. Lehren aus Corona). Der Umgang mit der Krise hat gezeigt, dass sich „die Probleme nicht von selbst lösen, sondern es die Menschen sind, die das tun.“ Nun gelte es die in der Krisensituation deutlich gewordenen Potenziale in einer Weise in den Alltag unserer Institutionen zu überführen, der den Notfallmodus der Krise unseres Hochschulsystems in gesunder Weise für alle Beteiligten überwindet. Hierzu sollten einerseits die Begeisterung und die Leidenschaft der Vorreiter:innen digitaler Lehre verstärkt und im Sinne von Beispiel guter Praxis für qualitativ hochwertige Szenarien digital-gestützer Lehr-Lernszenarien transferiert werden. Andererseits sollte die neu entstandene Bereitschaft und Offenheit derjenigen Lehrenden, die vormals nicht für digitale Medien und Werkzeuge in der Lehre affin waren, gestärkt und mit institutionellen Unterstützungsangeboten in den Alltag der Lehre nach der Krise zu integrieren. Die deutschen Hochschulen stehen nun vor der Aufgabe diesen Prozess der Diffusion von Lehrinnovation eines krisenbedingen Pilotbetriebs in den post-pandemischen Regelbetrieb des Hochschulalltags zu überführen. Für Oliver Janoschka wäre hierbei nicht zuletzt wichtig, dass neue Wege der Kooperation zwischen Hochschulen in gemeinsamen Studienangeboten und die Nutzung offener Bildungsmaterialien (Open Source Software, Open Educational Ressources) zur neuen Normaltität einer Hochschullehre der Zukunft werden. Besondere Beachtung müsse bei allen Bestrebungen der Hochschulen immer die Perspektive der Studierenden zukommen, die einerseits die Nutzung digitaler Medien und Werkzeuge als Selbstverständlichkeit heutiger Lehre verstehen, andererseits aber baldmöglichst auch die Qualität der Erfahrungen eines Studiums vor Ort ermöglicht bekommen sollten.
Transformation einer von der Präsenzlehre geprägten Universität während der Corona-Krise
Die KU hat im vergangenen Jahr durch die „Turbo-Digitalisierung der Lehre“ eine Transformation durchlebt. Für den Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Markus Eham, stellte sich im Hinblick auf die Lehr-Lernkultur die Frage: „Ist jetzt die Gegenwart das Ende der Vergangenheit oder ist es der Beginn der Zukunft?“. Die tentative Antwort auf diese Frage löst den vermeintlichen Widerspruch dahingehen auf, dass es sich in den vorangegangenen Corona-Semestern um eine Phase des Übergangs gehandelt hat, der eine transitorische Qualität zuzuschreiben ist. Die KU versteht jenseits der durch die Corona-Situation erzwungenen Digitalisierung der Lehre als Universität mit ausgeprägten Qualitäten in der Präsenzlehre, die durch die Erfahrungen von Studierenden und Lehrenden in der Bewältigung der Krise die Möglichkeiten der Anreicherung und Ergänzung der Präsenzlehre durch digitale Formate erkennen und schätzen gelernt hat. Ein wichtiger Kompass für die Bewältigung der Krise war hierbei das Leitbild für Studium und Lehre, dass von Seiten der Universitätsgemeinschaft bereits vor der Corona-Situation ausformuliert wurde und durch die Unmöglichkeit der Fortführung der Erfolgsstrategien der Vergangenheit in Frage gestellt werden musste und neu interpretiert werden konnte. Vor der Corona-Pandemie waren die digitalen Lehrangebote an der KU eher rudimentär aufgestellt. Es gab einzelne Lehrende, die sich mit den Potenzialen digitaler Lehre befassten, eine übergreifende Strategie für die Digitalisierung der Lehre und den universitätsweiten Austausch über die Umsetzung digitaler Lehr-Lernszenarien gab es vor dem Jahr 2020 in jedem Fall nicht. Die Bewältigung dieser immensen Herausforderungen war nur durch die Zusammenarbeit der Taskforce „Digitale Lehre“ möglich, in der alle KU-Angehörigen fakultäts- und einrichtungsübegreifend an der Lösung gemeinsamer Probleme hinsichtlich der „Turbo-Digitalisierung der Lehre“ zusammenwirkten möglich. Dies führte zu einer steilen Lernkurve aller an dem Prozess beteiligten Personen, die im Wintersemester 2020/21 im Zuge der Antragstellung für die Ausschreibung „Hochschullehre durch Digitalisierung stärken“ gemeinsam reflektiert und in Form eines systematischen Innovationsprozesses konzeptionalisiert wurde. Auch hierbei spielte der enge Austausch mit den Studierendenvertreter:innen eine zentrale Rolle.
Herausforderungen für die Weiterentwicklung der Lehre nach dem „Digital Turn“ an der KU
Die KU versteht sich diesbezüglich als lernende Organisation, die die Perspektiven von Studierenden und Lehrenden in die Weiterentwicklung guter und innovativer Lehre einbezieht. Handlungsleitend für die KU sei dabei nicht das Paradigma einer Innovation durch Digitalisierung, sondern die Stärkung guter Präsenzlehre, die sich durch digitale Formate der Anreicherung und Ergänzung qualitativ weiterentwickelt. Die Triebkräfte dieser Entwicklung seien, die Proponenten digital gestützer Lehrinnovationen, die durch institutionelle Supportstrukturen bereits heute gestützt und gestärkt werden, sowie durch eine spezifische Innovationsstrategie für Studium und Lehre künftig weiter vorangebracht werden (sollen). Den Orientierungsrahmen dieser Entwicklung bilde das Leitbild für Studium und Lehre, dass sowohl die Ausgestaltung der Studiengänge als auch die Erneuerungsbestrebungen für die Lehre der KU in eine konzeptionelle Form bringt. Die Konkretisierung erfolgt durch ein „Forum pro Lehre“, in dem von Seiten der Fakultäten die fachspezifischen Anforderungen an die zukünftige Lehre eingebracht und mit der Weiterentwicklung digitaler Dienstleistungen von Seiten der zentralen Einrichtungen in den Austausch gebracht werden. Dieses organisationale Lernen sei mit passenden Weiterbildungsangeboten zu flankieren, die auch in Mikro-Formaten eine bedarfsgerechte und nachfrageorientierte Unterstützung der Lehrenden in der Adaption innovativer Lehrformate ermöglichen. Bei der Umsetzung digitaler Lehre haben sich zudem studentische „E-Scouts“ als wertvolle Ressource erwiesen, die als studentische Hilfskräfte die Lehrenden an an Fakultäten technisch begleiten. Darüber hinaus hat das Präsidium die Anrechnung digitaler Formate hinsichtlich Lehrdeputat vereinfacht und der neuen Situation angepasst. Durch die Bereitstellung finanzieller Mittel für die Umsetzung von Lehrinnovationen wurden zudem im begrenzten Umfang eines Pilotbetriebs die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Lehre an den Fakultäten geschaffen. Die wesentliche Herausforderung, vor der die KU hinsichtlich Studium und Lehre aktuell stehe, sei die Erneuerung der Orte des Lehrens und Lernens im Zuge der bevorstehenden Generalsanierung der Räumlichkeiten, welche die infrastrukturellen Voraussetzungen für die neuen Anforderungen digital gestützter Lehre gewährleisten müsse. Entsprechend ihrem Selbstverständnis als Präsenzuniversität liege für die KU über die Finanzierung und Realisierung der notwendigen Baumaßnahmen hinaus, das Innovationspotenzial in einer didaktisch hochwertigen und innovativen Verknüpfung der bestehenden Stärken in der Präsenzlehre mit den neuen Möglichkeiten digitaler Formate.
Highlights

Kernaussagen und Thesen

Es geht uns an der KU darum den “Ortschatz” unserer Campusuniversität mit den neuen Qualitäten des “Netzwerts” digitale Lernräume zu erweitern
Markus Eham
Vizepräsident für Studium und Lehre der KU
Übergang von der Resilienz im Umgang mit der Krise zur kreativen Adaption der Hochschulen an neue Herausforderungen der Zukunft
Oliver Janoschka
Leiter der Geschäftsstelle des Hochschulforums Digitalisierung
Auch aus Perspektive des Hochschulforums Digitalisierung stelle die Verbindung von analogen und digitalen Welten des Lehrens und Lernens eine wesentliche Herausforderungen für die Hochschullehre der Zukunft dar.
Globale Herausforderungen und neue Wege für die Weiterentwicklung der Hochschullehre
0 0 vote
Beitrags Bewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
1 Kommentar
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Recommend0 recommendationsPublished in Newsmeldung